Immunthera­pien

Immuntherapien gelten als eine aussichtsreiche, neue Option bei der Behandlung von Krebserkrankungen. Lange Zeit beruhte die Behandlung von Krebserkrankungen ausschließlich auf der operativen Entfernung von Tumoren, der Strahlen- und der Chemotherapie. Diese konventionellen Behandlungsmethoden führen meist initial zu einer deutlichen Verbesserung des Krankheitsbildes, allerdings ist die Dauer dieser Verbesserung meist nur kurz und das Fortschreiten der Krebserkrankung ist nicht aufzuhalten. Zudem leiden die Patienten bei diesen Therapien unter schweren und signifikanten Nebenwirkungen. Im Zeitalter der modernen Medizin und Biotechnologie sind mit der Hormontherapie und der Behandlung durch die Hemmung von Signalübertragungswegen gezieltere Ansätze mit deutlich verbesserten Therapieerfolgen etabliert worden.

Krebszellen weisen Mutationen in Genen auf, die zu einem unkontrollierten Zellwachstum führen und eine Erkennung und Bekämpfung durch das Immunsystem behindern oder unterbinden. Der enorme Wissenszuwachs um die Funktionsweise des humanen Immunsystems in den letzten beiden Jahrzehnten und die daraus folgenden Möglichkeiten diese direkt und gezielt zu beeinflussen hat zu neuartigen Behandlungsstrategien von Krebserkrankungen geführt, die unter dem Begriff der Immuntherapien zusammengefasst werden. Diese therapeutischen Ansätze aktivieren, stimulieren, beeinflussen und optimieren die natürliche Immunantwort, um es den Immunzellen des Körpers zu ermöglichen, Krebs erfolgreich und nachhaltig bekämpfen zu können.

Eine zentrale Rolle in der humanen Immunantwort spielen die sogenannten T-Zellen. Diese Zellen des Immunsystems sind letztendlich die Effektorzellen, die Tumorzellen direkt bekämpfen, abtöten und eliminieren. Die gezielte Aktivierung, Stimulation, Stärkung und die Verbesserung der Spezifität von T-Zellen ist ein moderner Therapieansatz mit dem Ziel einer effektiven, lang anhaltenden Bekämpfung von Krebserkrankungen.

T-Zell-Rezeptor-basierte adoptive T-Zell-Therapie (TCRs)

Medigenes TCR-Plattform im Bereich der Immuntherapien zielt darauf ab, körpereigene T-Zellen des Patienten mit tumorspezifischen T-Zell-Rezeptoren auszurüsten. Die rezeptor-modifizierten T-Zellen sind dann in der Lage, Tumorzellen zu entdecken und effizient zu zerstören. Dieser immuntherapeutische Ansatz versucht die bestehende Toleranz gegenüber den Krebszellen und die tumor-induzierte Immunsuppression im Patienten zu überwinden, indem die T-Zellen des Patienten außerhalb des Körpers (ex-vivo) aktiviert und modifiziert werden. Eine große Anzahl an spezifischen T-Zellen die den Tumor bekämpfen können, kann für Patienten innerhalb kurzer Zeit verfügbar gemacht werden.

Medigene baut im Rahmen dieser Plattform eine umfangreiche Bibliothek an rekombinanten T-Zell-Rezeptoren auf. Zudem wird derzeit ein Verfahren zur Kombination dieser Rezeptoren mit patienteneigenen T-Zellen gemäß den regulatorischen GMP-Standards (Good Manufacturing Practice, GMP) etabliert und die klinische Entwicklung von eigenen TCRs vorbereitet.

Medigene strebt für diesen Therapieansatz den Start von bis zu drei klinischen Studien an, von denen die erste 2017 starten soll. Bei dieser öffentlich geförderten Prüfarzt-initiierten (IIT) Phase I-Studie mit Medigene-Beteiligung handelt es sich um die erste klinische TCR-Studie in Deutschland. Von Medigene verantwortete und finanzierte Studien sollen voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2017 sowie im zweiten Halbjahr 2018 beginnen.

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DC-Vakzine (DCs)

Mit Medigenes am weitesten fortgeschrittener Plattform entwickelt das Unternehmen antigen-spezifische dendritische Zell (DC)-Vakzine der neuen Generation. Dendritische Zellen (englisch: Dendritic Cells, DC) sind in der Lage, Antigene aufzunehmen, zu prozessieren und sie so auf ihrer Zelloberfläche zu präsentieren, dass antigen-spezifische T-Zellen aktiviert und dadurch zur Reifung und Teilung angeregt werden. Die T-Zellen werden dadurch in die Lage versetzt, Antigen-tragende Tumorzellen zu erkennen und zu eliminieren. Ebenso können dendritische Zellen natürliche Killerzellen (= NK-Zellen) dazu aktivieren, Tumorzellen anzugreifen. Das wissenschaftliche Team von Medigene hat neue, schnelle und wirksame Verfahren entwickelt, um autologe, d. h. körpereigene, dendritische Zellen reifen zu lassen und so aufzubereiten, dass sie T-Zellen wie auch NK-Zellen aktivieren können. Die dendritischen Zellen können mit unterschiedlichen Tumor-Antigenen versehen werden, um verschiedene Tumorarten zu behandeln.

Medigene führt derzeit eine klinische Phase I/II-Studie zur Behandlung der akuten myeloischen Leukämie (AML) durch. Die Studie befindet sich im Phase II-Teil.

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T-Zell-spezifische Antikörper (TABs)

Medigenes dritte Produktplattform dient der Generierung von monoklonalen Antikörpern, die unterschiedliche T-Zellen erkennen und unterscheiden können (TABs = T cell-specific AntiBodies). Diese T-Zell-spezifischen Antikörper sollen im Körper unerwünschte T-Zellen entfernen, um T-Zell-vermittelte Erkrankungen wie z. B. T-Zell-Leukämie oder Autoimmunerkrankungen zu behandeln. Mithilfe der Plattform können monoklonale Antikörper mit der Fähigkeit zur Unterscheidung verschiedener T-Zellen produziert und charakterisiert werden. In präklinischen Studien wurde ein Nachweis der technischen Machbarkeit (proof of technology) erbracht.  Die präklinische Entwicklung der Anti-TCR monoklonalen Antikörper (TABs) wird weitergeführt mit dem Ziel, präklinischen „proof of principle“ zu erreichen.

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